Familienrecht und künstliche Intelligenz – ein schwieriges Verhältnis

– Technikglaube erschwert die Arbeit

Künstliche Intelligenz ist aktuell der Hype. Und ohne Zweifel ist es beindruckend, was teilweise von ChatGPT und Co. ausgeworfen wird, wenn man Dinge erfragt. Doch bei rechtlichen Themen, jedenfalls wenn es über triviale Basics hinausgeht, versagt die KI. Das mag sich – vermutlich eher schnell als langsam – ändern. Bei uns im Kanzleialltag ist sie trotzdem angekommen – oft zu unserem Leidwesen. Rechtsprobleme werden vorab oder zur Kontrolle des Anwalts durch die KI geschickt. Die formuliert überzeugend – für den Laien. Letzte Woche hatten wir hier gleich zwei Fälle:

In einem Fall hatten wir einen Versäumnisbeschluss gegen uns bekommen. Diese sogenannte „Flucht in die Säumnis“ ist ein gängiges Mittel, kein Problem mit verspätetem Vortrag zu haben. Rechtzeitig vor dem nächsten Termin, der meist viele Wochen später liegt, ist das Fehlende nachzuholen. Gegen den Säumnisbeschluss ist innerhalb von 14 Tagen Einspruch einzulegen. Der Mandant hatte dazu die KI befragt. Er war der festen Überzeugung, dass innerhalb der Einspruchsfrist der gesamte Vortrag nachzuholen sei. Er war voller Sorge, dass dieser Vortrag wegen der OsterfFeiertage kaum noch möglich ist.

Im anderen Fall ging es um den Zugewinnausgleichsanspruch. Je mehr Vermögen man am Anfang hat, desto weniger Zugewinnausgleich muss man zahlen. Der Mandant hatte nach langer Ehe seine Arbeit verloren, wo er noch länger beschäftigt war. Er hatte eine ordentliche Abfindung bekommen. Die KI hatte ihm gesagt, dass er die Abfindung in sein Anfangsvermögen einstellen dürfe, weil er den Job schon bei Eheschließung gehabt habe.

In beiden Fällen sind die Aussage der KI ist einfach nur falsch. Man mag darüber schmunzeln. Für uns Anwälte ist diese Entwicklung bedenklich, denn unsere eigene Erfahrung und Kompetenz wird in Zweifel gezogen und der Aufwand, die falschen Vermutungen aus der Welt zu schaffen, kostet Zeit, die wir lieber für die eigentliche Mandatsbearbeitung verwenden würden. Familienrecht und künstliche Intelligenz – das geht noch nicht so gut zusammen.