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Kindesunterhalt: Mindestunterhalt steigt 2021um etwas mehr als 6 %

Änderung der Mindestunterhaltsverordnung tritt am 01.01.2021 in Kraft

Am 13.11.2020 hat das Bundesgesetzblatt die dritte Verordnung zu Änderung des Mindestunterhalts veröffentlicht. Danach steigt der Mindestunterhalt in der Altersgruppe bis fünf Jahre von 369,00 € auf 393,00 €. Kinder zwischen sechs und elf Jahren brauchen mindestens 451,00 € (vorher 424,00 €). In der dritten Altersgruppe (zwölf bis siebzehn Jahre) liegt der Bedarf zukünftig bei 528,00 € (bislang 497,00 €). Das entspricht jeweils einer Erhöhung um ca. 6 %.

Kinder kosten Geld – auch in 2021 // (c) Petra Bork – pixelio.de

Gleichzeitig steigt ab Januar 2021 das Kindergeld um 15,00 €. Unter dem Strich können Barunterhaltspflichtige deshalb 7,50 € von der zu erwartenden Erhöhung in Abzug bringen, da ihnen das halbe Kindergeld zugutekommt. Der Zahlbetrag für den Mindestunterhalt (beim ersten und beim zweiten Kind) liegt also in den drei Altersstufen bei 283,50 €, 441,50 € und 418,50 €.

Auf Grundlage dieser Werte wird die Düsseldorfer Tabelle für das Jahr 2021 erstellt. Dieser liegt heute (18.11.2020) noch nicht vor. Diese sind dann auch die Unterhaltszahlungen zu entnehmen, wenn der Unterhaltspflichtige mehr als 100 % des Mindestunterhalts zu zahlen hat.

Die Verordnung ist hier abrufbar.

Familienrecht: Den Zugewinnausgleich in fünf Punkten verstehen

So läuft der Vermögensausgleich bei Scheidung ohne Ehevertrag

  1. Jeder Ehegatte behält auch nach der Heirat sein eigenes Vermögen. Zwar können Ehegatten Dinge gemeinsam anschaffen und werden dadurch Miteigentümer und sind beide verpflichtet, einen gemeinsamen Kredit zu bedienen. Das ändert aber nichts an der Grundregel. Deshalb haftet übrigens auch niemand automatisch für die Schulden des anderen.
  2. Im Falle der Scheidung möchte der Gesetzgeber, dass alles, was die Ehegatten an Vermögen während der Ehe aufgebaut haben, durch zwei geteilt wird. Dabei ist egal, ob beide Ehegatten erfolgreich im Job waren oder nicht, sich um die Kinder gekümmert haben oder einfach nur das Geld des anderen mit vollen Händen ausgegeben haben.
  3. Entscheidend ist die Vermögenslage zu den Stichtagen: Das Datum der Heirat definiert das sogenannte Anfangsvermögen. Für das Endvermögen stellt das Familienrecht auf den Tag der Zustellung des Scheidungsantrags ab. Was dazwischen war, interessiert nicht. Ausnahme: Das Datum der Trennung ist ein Kontrolltermin. Wer erst nach der Trennung anfängt, sein Geld zu verprassen oder beiseite zu schaffen, wird so behandelt, als habe er das Geld noch.
  4. Schenkungen und Erbschaften nehmen eine Sonderrolle ein. Sie werden dem Anfangsvermögen hinzugerechnet.Zur Berechnung des Zugewinns wird bei beiden Ehegatten das Anfangsvermögen mit dem Endvermögen verglichen. Derjenige mit dem höheren Zuwachs muss die Hälfte der Differenz abgeben. Einen negativen Zugewinn gibt es übrigens nicht. Der Zugewinn ist dann null.
  5. Beispiel: Ehemann und Ehefrau hatten bei der Hochzeit beide kein Vermögen. Am Ende der Ehe sind sie je hälftige Eigentümer eines schuldenfreien Hauses (Wert 500.000 €), die Ehefrau hat außerdem noch ein Sparbuch mit 50.000 €, der Ehemann eine Münzsammlung im Wert von 10.000 €. Der Zugewinn des Mannes beträgt 260.000 €, derjenige der Frau 300.000 €. Von den 40.000 € Differenz kann der Mann die Hälfte verlangen.

Familienrecht: „Ich will keinen Trennungsunterhalt…“

Warum dieser Satz oft riskant ist, wenn das Familienheim finanziert ist.

Die Eheleute haben ein gemeinsames Haus. Hierfür haben die Eheleute ein gemeinsames Darlehen aufgenommen. Sehr häufig laufen Trennungen nach folgendem Schema ab: Ein Ehepartner zieht aus und mietet sich eine Wohnung. Der andere Partner verbleibt im Haus und zahlt die Raten auf den Kredit. Über Trennungsunterhalt reden die Ehepartner nicht. Oder der im Haus verbleibende Partner verweigert Trennungsunterhalt, weil er den Auszug nicht möchte. Oder der ausziehende Partner stellt sich auf den Standpunkt, dass er schon irgendwie alleine klarkommen wird.

Kein Anspruch auf Miete, aber auf Nutzungentschädigung.

Nach einiger Zeit, oft wenn die Ehe geschieden ist und der Trennungsunterhalt wegfällt, meldet sich der Ehegatte, der im Haus geblieben ist: „Übrigens, ich bekomme noch die Hälfte der Hausraten von Dir. Es ist ja auch Dein Haus – und auch Dein Kredit.“

Der gesunde Menschenverstand sagt: „Das kann ja wohl nicht sein.“ Rechtlich ist die Situation aber leider nicht eindeutig. Grundsätzlich kann der zahlende im Haus verbleibende Ehegatte die Hälfte der Kreditrate verlangen (Gesamtschuldnerausgleich). Andererseits hat er den Vorteil, das ganze Haus zu bewohnen, obwohl er nur hälftiger Eigentümer ist. Dafür kann der weichende Partner eine Nutzungsentschädigung, vergleichbar der halben Miete, verlangen. Oftmals ist es sinnvoll, halbe Darlehensrate und halbe Miete zu verrechnen. Doch Achtung: Während der halbe Anspruch auf die Kreditrate sofort und automatisch besteht, muss die Nutzungsentschädigung ausdrücklich (!) geltend gemacht werden.

Verständigen sich die Ehegatten über Trennungsunterhalt oder berechnen ihn wenigstens, werden dabei Darlehensrate und Wohnvorteil berücksichtigt. Wird der Trennungsunterhalt nicht zum Thema gemacht, ist zumindest die Nutzungsentschädigung (nachweisbar) zu verlangen. Damit nimmt der ausziehende Ehegatte dem drohenden Gesamtschuldnerausgleich den Schrecken.

Corona: Reisen in den Herbstferien?

Brauche ich die Zustimmung des anderen Elternteils?

Die Herbstferien stehen vor der Tür. Gleichzeitig springen immer mehr Corona-Ampeln auf Rot. Die Anfragen, ob ein Elternteil, bei dem das Kind lebt bzw. ein Elternteil, der seinen Ferienumgang wahrnimmt, mit dem Kind in den Urlaub fahren darf, häufen sich. In Zeiten vor der Pandemie war Urlaub in Deutschland und gefahrloser Urlaub im europäischen Ausland auch ohne Zustimmung beider Eltern möglich. Heute sieht es anders aus:

Herbstferien 2020 - Corona

Urlaubsreisen in Risikogebiete sind nur möglich, wenn beide Elternteile zustimmen. Maßgeblich ist die Liste des Robert-Koch-Institutes, die immer länger wird. Für Urlaub in deutschen Risikogebieten dürfte nichts anderes geltend, auch wenn es hierzu noch keine Gerichtsurteile gibt. Verwirrung herrscht im Hinblick auf die Türkei. Das Auswärtige Amt hat einige touristische Gebiete (Regionen um Bodrum und Antalya) von der coronabedingten Reisewarnung ausgenommen. Da die Türkei trotzdem und zwar vollständig als Risikogebiet eingeordnet ist, kann sich aber kein Elternteil auf die Liste des Auswärtigen Amts berufen. Diese hat insbesondere den Effekt, dass bei einem Reiseveranstalter gebuchte Reisen nicht kostenfrei storniert werden können (außer es ist vertraglich vereinbart), auch dann nicht, wenn die Reise mit dem Kind an der fehlenden Genehmigung des anderen Elternteils scheitert.

Familienrecht: Und plötzlich ist das Kind weg

Wenn ein Elternteil mit dem Auszug Fakten schaffen will…

Ein Elternteil kommt nach drei Tagen von einer Dienstreise zurück nach Hause. Die Wohnung ist verwaist. Partner und Kind sind nicht mehr da. Per WhatsApp kommt die Nachricht, dass die Beziehung beendet ist und auch das Kind nicht zurückkommen wird. In dieser Situation ist schnelle Hilfe gefragt.

Allenfalls im Hinblick auf seinen Umgang geschützt ist der Elternteil, regelmäßig der Vater, der kein Sorgerecht für das Kind hat. In (funktionierenden) nichtehelichen Lebensgemeinschaften wird auf die gemeinsame Sorge (zu) oft verzichtet. Das rächt sich an dieser Stelle. Haben die Eltern das gemeinsame Sorgerecht, steht auch beiden Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht (ABR) zu. Beide sind verpflichtet, sich auf den gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes zu verständigen. Dies gilt auch, wenn ein Elternteil eine Änderung will, wie vorliegend durch den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung.

 

Kinderbett bleibt leer, weil Eltern Faken schaffen.
Wenn das Kinderbett leer bliebt // (c) Dieter Schütz / pixelio.de

Schafft ein Elternteil Fakten, greift er in das Sorgerecht des anderen Elternteils ein. Hier hilft, beim Familiengericht eine einstweilige Anordnung zu beantragen, um das ABR jedenfalls vorläufig übertragen zu bekommen. Damit kann dann die Herausgabe des Kindes durchgesetzt werden. Die Chancen stehen nicht schlecht, da es meistens im Interesse des Kindes ist, nicht vorschnell aus der bisherigen Umgebung herausgerissen zu werden. Grundsätzlich gilt nämlich: Wer sich trennen möchte, kann jederzeit gehen. Die Kinder bleiben jedoch da.

Komplizierter wird es, wenn der Aufenthaltsort von Elternteil und Kind unbekannt ist. Außerdem ist regelmäßig mit einem Gegenantrag zu rechnen, um die geschaffenen Fakten rechtlich abzusichern. Am Ende entscheiden die Gerichte nach dem Kindeswohl. Da hat dann der Elternteil die schlechteren Karten, der sich in der Vergangenheit weniger um die Kinder gekümmert und auch jetzt nicht die Zeit hat, weil er im Beruf stark eingespannt ist. Dennoch ist der Gang zum Gericht ratsam. Denn oft etabliert das Gerich zumindest eine vorläufige Umgangsregelung, damit der enge Kontakt zwischen Kind und beiden Eltern erhalten bleibt.